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Kirche "zum Heiligen Kreuz" in Weiler

Die Kirche Weilers mit dem mittelalterlichen Namen „zum Heiligen Kreuz“ hat eine etwa 700-jährige Geschichte. Die älteste Glocke ist vom Jahr 1490. Ums Jahr 1525 wurde hier schon evangelisch gepredigt. Der damalige Pfarrer, Anton Eisenhut, engagierte sich im Bauernkrieg auf Seiten der Bauern, „damit die Gerechtigkeit und das Evangelium einen Fortgang nehme“. Er trat ein für einen Verhandlungsfrieden, der die Rechte der Bauern respektiert. Dafür wurde er am Himmelfahrtstag 1525 in Bruchsal im Auftrag der Fürsten enthauptet.

Nach dem 30-jährigen Krieg konnte eine verarmte Bevölkerung ihre Kirche nicht mehr in Stand halten. Im Jahr 1698 war sie nach großen Regengüssen nicht mehr benutzbar. Im Juni 1701 brannte der Turm herunter, und das Dach wurde beschädigt. Erst nach 50 Jahren, 1751, war die Kirche wieder hergestellt und erhielt ihre heutige Gestalt: im Grunde als protestantischer Predigtsaal, dessen eigentliches Zentrum nicht mehr der Altar, sondern die Kanzel ist. Der Chorbogen wurde zugemauert, mächtige Emporen für die inzwischen zahlreicher gewordene Bevölkerung eingezogen.

Berühmt wurde die Weilermer Kirche durch die Ausmalung im Jahr 1767 mit „biblischen Sinnbildern“ durch den Malermeister Johannes Stiegler. Er war in Prag ausgebildet, bemalte aber seit etwa 1725 als wandernder Handwerker verschiedene Kirchen im mittleren Neckarraum. Auch in Weiler mit den wichtigsten Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament, sie sind an der Emporenbrüstung dargestellt. Dazu „Sinnbilder“ zum christlichen Leben an dem hölzernen Deckengewölbe und an der Kanzel. Am mächtigsten: Das große Abendmahl in der Mitte über dem Kirchenschiff und das Jüngste Gericht über der Westempore. Alle diese Bilder sollten der Belehrung der, oft des Lesens unkundigen, Bevölkerung dienen. Die Vorlagen dazu entnahm Stiegler zu einem guten Teil den Merian-Kupferstichen.

Der damalige Pfarrer, Magister Johann Eberhard Schoder, reimte dazu Sprüche, die für heutige Ohren z.T. köstlich naiv wirken – beispielsweise beim 12-jährigen Jesus im Tempel (Lukas 2): „Jesus geht zu Gottes Ehr gerne in die Kinderlehr...“. Aber auch solche mit tiefem Ernst: In Erinnerung an den Märtyrer Weilers, Anton Eisenhut, steht bei dem Bild „Enthauptung Johannes des Täufers“ - am Aufgang zur Kanzel: „Ein Lehrer muss die Wahrheit sagen und sollt man ihm den Kopf abschlagen“. Aller Nachdruck wird auf Bußgesinnung gelegt; so steht zum Großen Abendmahl am Deckengewölbe: „Wirst du in Buß und Glauben stehn, kannst du getrost zum Nachtmahl gehn“.

Die Weilermer haben damit ein eindrucksvolles Zeugnis protestantischer Frömmigkeit des 18. Jahrhunderts aufbewahrt. Es ist nicht, wie oft andernorts, den Modernisierungs-Schüben zum Opfer gefallen. Viele Ausflugs-Gruppen verbinden ihre Zabergäu-Fahrt mit einer Besichtigung dieser „heimeligen“ Kirche mit ihren Bildern. Unser Kirchführer Gerald Röck  (Tel. 07046/88 03 23) wird Ihnen gerne alles erklären.

 


 

Großes Abendmahlsbild

Neues Bild

Kanzel in Weiler 



An der Kanzeltreppe:
Die Enthauptung Johannes des Täufers

Ein Lehrer muss die Wahrheit sagen,
und sollt man ihm den Kopf abschlagen...